Editorial Montana

Die Berge dieser Welt erleben...

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Westalpen-Cross 2007

von Susa ans Mittelmeer

Ein Reisebericht. In neun Etappen. Mit den Zwillingen.

Etappe 3: Refuge du Viso - Sampeyre


Ein paar Scheiben altes, trockenes Weißbrot mit Marmelade dazu dünner Kaffee - da kann man von den üppigen Frühstücks- buffets auf bayerischen und österreichischen Hütten mit Müsli, Wurst und Käse nur träumen...

Aber wenigstens hatten wir ja am Vorabend jeder ein Lunchpaket für je acht Euro bestellt. Nach einem erwartungsfrohen Blick in die Tüten, beschlossen wir jedoch, uns zukünftig wieder selbst unsere Brotzeit im Alimentari zusammenzustellen: zwei weitere Scheiben von dem alten Weißbrot, ein kleines Eckchen abgepackter Käse, zwei eingerollte Scheiben Wurst, eine Orangensafttüte, ein hart gekochtes Ei, fünf Trockenpflaumen und eine kleine Tüte Chips...

aber egal, später oben in der Sonne am Paß haben wir den Tüteninhalt dennoch genossen und waren froh, überhaupt was zu futtern zu haben...


In der Morgensonne vor der Hütte stieg die Stimmung aber wieder schlagartig, zumal es bis zum Talschluß noch ein ganzes Stück Weg war, der schon nach ein paar Metern wieder fahrbar wurde.

Am Talende bei einem kleinen See war dann Schluß mit lustig und es ging einen steilen Pfad hinauf bis zum Colle Vallanta.

Die - hauptsächlich französischen - Wanderer, die uns entgegen kamen, grüßten sichtlich irritiert ob der Karawane aus acht geschulterten Bikes und als ich mich einmal umdrehte, waren die Gesten auch recht eindeutig ;-)

Oben angekommen fand ich einen völlig relaxten Tom vor...

... und einen weniger relaxten Anderl...

"Mein Helm ist weg... ich kann mir das überhaupt nicht erklären, heute morgen hatte ich ihn doch noch!".

Tom ließ ihn zappeln. Volle fünf Minuten rang Anderl mit sich, dann lehnte er entschlossen sein Bike an den Felsen und griff zu seinem Rucksack, um zurückzulaufen.

"So'n schwarzer Alpina? Den habe ich ganz unten auf einem Stein liegen sehen. Dachte mir noch, was das wohl soll..." - und holt aus seinem Rucksack tatsächlich den Helm raus.

Gestern der Rucksack, heute der Helm - zumindest werden die Teile langsam kleiner ;-)

Da es unmittelbar am Paß recht zugig war, beschlossen wir, noch ein Stückchen weiterzugehen und uns ein lauschiges Sonnenplätzchen zu suchen.

Und das fanden wir - der beste Platz zum Picknicken überhaupt: auf der einen Seite einen traumhaften Talblick...

... und auf der anderen Seite direkten Blick auf den Mont Viso...

Während wir noch alle den herrlichen Talblick genossen, musterte Peggy angestrengt die steilen Bergflanken hinter uns, eigentlich auf der Suche nach Murmeltieren.

Entdeckt hat sie stattdessen ein paar Steinböcke, die ganz relaxt hoch über uns auf dem Grad lagen.

Und schon war sie auf dem Weg, kletterte den Hang hinauf...

Die Steinböcke sahen sich das Ganze in aller Ruhe mit an, amüsierten sich ganz königlich...

...und standen dann, kurz bevor Peggy endlich oben war, in aller Ruhe auf, um hinter der Hangkante zu verschwinden...


Nein, wollen wir mal nicht zu sehr lästern: ein paar schönes Fotos sind ihr schon geglückt...

... und wir anderen haben die so verlängerte Rast im schönen warmen Sonnenschein bei toller Aussicht auch durchaus genossen :-)

Nach unserer Pause ging's kurz am Hang entlang und dann noch den zweiten Paß Colle Losetta (2872m) hinauf. Nochmal eine halbe Stunde tragen.

Dann waren wir aber entgültig oben und wurden erneut mit einem traumhaften Blick...

...und anschließend einer endlos langen wunderbaren Trailabfahrt belohnt.

Die ersten, wirklich megasteilen Kurven sind zwar nur Peggy und Sandra unter dem anerkennenden Nicken der französischen Wanderer heruntergesurft, aber so nach und nach wurde der Trail freundlicher und wir haben ihn alle genossen.

Irgendwann hatten wir dann die Teerstraße erreicht und waren ruckzuck in Sampeyre. Als wir dort beim Cappucchino im Caffee am Marktplatz in unserem angepeilten Nachtquartier, dem Rifugio Meira Garneri (1850m) auf dem Weg zum Colle di Sampeyre, anriefen, um Betten zu reservieren, bekamen wir aber leider nur ein lapidares "completo" zu hören.

Damit hatten wir ja nun gar nicht gerechnet.

Auch intensives Kartenstudium brachte da nichts: eine andere Übernachtungsmöglichkeit auf dem Weg nach oben bzw. in Elva, dem Minidörfchen kurz hinter der Paßhöhe, gab es nicht. Blieb uns also nichts anderes übrig, als in Sampeyre zu bleiben.


Aber selbst das gestaltete sich schwierig. Alle Hotels in Sampeyre waren "completo". Nach einigem Hin und Her haben wir schließlich doch noch drei Zimmer in einem Hotel fünf Kilometer außerhalb bekommen und ein Zimmer im Hotel Nebin in Sampeyre selbst.



Fazit: Ab jetzt haben wir immer als erstes morgens, noch bevor wir gestartet sind, telefonisch das Abendquartier klar gemacht !




Höhenprofil

Distanz:35,00 km
Bergauf:572 hm
Bergab:1.942 hm




GPS
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Adressen

Frank und ich hatten das Doppelzimmer im Hotel Nebin, mitten in Sampeyre: Zimmer OK, Frühstücksbuffet akzeptabel.

Hotel Monte Nebin***
Via Cavour, 26
12020 Sampeyre
Tel: +39 0175 977112

http://www.hotelmontenebin.it


Zum Abendessen gegessen haben wir dann im Hotel der anderen, ca. 5 km vor Sampeyre, von deren Hoteltaxi kostenlos abgeholt: hervorragendes, mehr als reichhaltiges Abendessen, und wie uns die anderen berichtet haben, auch ein erstklassiges Frühstücksbuffet.

Hotel Torinetto***
Via Calchesio 7
12020 Sampeyre
Tel: +39 0175 977459

http://www.ghironda.com/vvaraita/pages/977459.htm


Oder, wenn man rechtzeitig reserviert, das Rifugio Meira Garneri auf 1850m, nach 3/4 der Strecke zum Colle di Sampeyre, das nach Aussage des Cafébesitzers "ganz hervorragend" sein soll.

Rifugio Meira Garneri
Valle Varaìta
12020 Sampeyre
Tel: +39 0175 977181

http://www.ghironda.com/vvaraita/pages/542011.htm