Editorial Montana

Die Berge dieser Welt erleben...

News


Westalpen-Cross 2007

von Susa ans Mittelmeer

Ein Reisebericht. In neun Etappen. Mit den Zwillingen.

Etappe 2: Sestriere - Refuge du Viso


"Wir fahren schon mal vor in den Ort zum Einkaufen." -

Oh ja, dachte sich Sandra, beendete umgehend die allmorgendliche Bikepflege und schoß hinter uns her... um dann aber völlig enttäuscht feststellen zu müssen, daß wir nicht bei dem schicken Sportgeschäft haltmachten, bei dem sie sich schon am Vorabend in ein hinreißend hellblaues Paar Carving-Ski verliebt hatte, sondern ganz trivial den örtlichen Lebensmittelladen ansteuerten...

Von Sestriere aus gings dann erst mal knappe 400 Hm flott auf Teer hinunter bis zum Beginn des Valle della Ripa.

Hier beginnt eine etwas holperige Schotterpiste, die sich immer an der Ripa entlang den gesamten Talgrund bis zum Ende dieses wunderhübschen Tales erstreckt.


Das einzige, was an diesem herrlichen sonnigen Sonntagmorgen das Glück etwas trübte, war, daß außer uns mindestens zwei Hundertschaften Italiener dasselbe dachten - den Gedanken allerdings etwas besser motorisiert umsetzten: eine nicht enden wollende Blechlawine war das Ergebnis und Dutzende von picknickenden bzw. zeltenden italienischen Großfamilien am Wegesrand.



Mit 6,50 kg auf dem Rücken und Tagesettappen von über acht Stunden ist so ein schnittigster Rennsattel vielleicht doch unbedingt die allerbeste Wahl, wie auch Sandra schmerzhaft feststellen mußte...



Die Alpe Plane am Ende des Ripa-Tales...

Am Talende zog sich die Schotterstraße dann links in Serpentinen den Hang hinauf - und so verführerisch wie sie da lag, sind wir ihr natürlich erstmal gefolgt. Bis nach knapp 200 Hm Stefan meinte, daß die Himmelsrichtig leider nicht wirklich stimmen würde.

Richtig wäre vielmehr der auf dem Bild rechts gut zu sehende Pfad auf der anderen Talseite...

Also wieder runter, über die Wiese gehoppelt, durchs Bachbett und dann gegenüber auf dem steilen, schmalen Wanderweg hoch zum Colle Mayt.


Das erste längere Tragestück auf unserer Tour - bis Frank die Schuhe gewechselt und ich mich meiner zu warmen Weste entledigt hatte, waren die anderen schon weit den Hang hinauf.

Laufe ich also endlich los... und sehe plötzlich am Wegesrand einen Rucksack liegen...

Tja, die eine vergessen ihr Duschgel in der Hütte, andere gleich den ganzen Rucksack... ist gewichtstechnisch ja auch deutlich effektiver ;-))

Auf halber Höhe gemütliche Brotzeitpause in der Sonne...

... die Sandra gleich fleißig für ein kleines Gemsenarrangement mit Blumendeko nutzte...


Kurze Verschnaufpause oben am Colle Mayt.

Dann ein langer und teilweise ziemlich steiler Trail, den nicht alle von uns komplett fahren konnten...



(ähm, damit meine ich natürlich hauptsächlich mich... für die Zwillinge und die Männer is sowas natürlich eher weniger das Problem)

An einem kleinen Bauernhof mit zwei süßen Eseln beginnt dann ein Stück schnell zu fahrender Forstweg bis zum kleinen Dörfchen La Roux (mit extrem fotogenem Brunnen).


Dann schnelle Teerabfahrt nach Abriés.

Dort erst mal gemütlich Kaffeetrinken und die Hütte telefonisch reservieren.

Apropos: Von Sestriere und Isola 2000 mal abgesehen, sollte man immer spätestens am Vormittag reservieren, sonst schaut man leicht in die Röhre. Mußten wir auch noch schmerzhaft lernen...

Hier hatten wir aber nochmal Glück und haben noch ein Plätzchen in der fast vollen Hütte bekommen.

In Abriés war Marktsonntag - sehr zum Leidwesen unserer Männer... aber da sind wir Frauen einfach machtlos...

(auch wenn ich angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit die hochgezogene Augenbraue von Frank natürlich schon irgendwie verstehen kann...)

Das Refuge du Viso liegt wunderbar malerisch hoch über dem Talende auf 2460m - wunderbar malerische 400 Hm über dem Ende der Forststraße...

... also, tief durchatmen, Schuhe wechseln und nochmals schieben und tragen...

Pünktlich zur Essenszeit um 19 Uhr waren wir dann aber doch an der Hütte: leckeres Essen...

... und danach Duschen im Finsteren mit kaltem Wasser - denn was so ein ordentlicher, sparsamer Franzose ist, der stellt natürlich nach dem Abendessen den Strom ab...





Nach Abendessen und Duschen wird es langsam dunkel und der Mont Viso leuchtet ein letztes Mal im Sonnenuntergang...




Höhenprofil

Distanz:52,55 km
Bergauf:2.051 hm
Bergab:1.559 hm




GPS
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Adressen

Das Refuge du Viso ist eine schöne Berghütte mit ausreichendem und auch recht schmackhaftem Abendessen. Das Frühstück ist allerdings sehr französisch: wer mehr als trockenes Weißbrot mit Marmelade möchte, sollte das besser vorher in Abriés einkaufen. Dasselbe empfiehlt sich auch für die Brotzeit am nächsten Morgen.

Strom und Warmwasser wird nach dem Abendessen um 19.00 Uhr abgestellt > Stirnlampe nicht vergessen.

Ebenso wie den Alpenvereinsausweis: gibt ordentlich Ermäßigung.

Refuge du Viso
Abriès
Tel: +33 04 92468181

http://clubalpin.briancon.free.fr/viso.html