Editorial Montana

Die Berge dieser Welt erleben...

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Westalpen-Cross 2007

von Susa ans Mittelmeer

Ein Reisebericht. In neun Etappen. Mit den Zwillingen.


Anreise

Startpunkt unserer Tour ist Susa, ein kleines italienisches Städtchen, mit direkter Bahnverbindung nach Turin (für den Rückweg zum Auto). Starten wollten wir am Samstag früh, deshalb Anreise am Freitag nachmittag.

Nun führen viele Wege nach Susa. Der wohl schnellste geht über den Brenner, immer geradeaus bis zum Ende vom Gardasee und dann rechts an Mailand und Turin vorbei bis Susa. Etwas über sieben Stunden.

Man kann das Ganze aber natürlich auch in deutlich über zehn Stunden fahren, kilometermäßig kürzer und landschaftlich sicherlich deutlich reizvoller durchs Engadin und am Comer See vorbei, größtenteils auf Landstraßen.

Dann darf man sich aber auch nicht wundern, wenn man erst lange nach Mitternacht ankommt und eben kein gemütliches Abendessen in der netten Pizzeria am Marktplatz von Susa hat, gell Stefan... ;-)



Strecke

Unsere Route lehnt sich sehr stark an den Seealpencross von Achim Zahn an. Wir starten allerdings nicht schon am Genfer See sondern eben erst in Susa. Dadurch entgehen uns zwar die ersten, wohl besonders schönen und auch besonders extremen Etappen, aber die ganze Tour dauert dafür auch nicht die von Achim Zahn veranschlagten 13+x Tage, die wir schlicht nicht haben.

Wir veranschlagen unsere Tour auf 9+x Tage, d.h. geplante 9 Etappen plus 1-2 Tage Karenz für Schlechtwetter, Material- oder Gesundheitsprobleme oder sonstige unerwartete Ereignisse.

Rein tagemäßig haben wir unsere Vorgabe eingehalten, was die Route betrifft leider nicht ganz... aber es kommt ja immer anders als gedacht...


Etappenübersicht




Im Grunde waren es aber nur zwei größere Abweichungen:

Am vierten Tag wollten wir eigentlich außer der Elva-Schlucht auch noch ein landschaftlich (wohl) superschönes Stückchen ab dem Colle di Sampeyre auf der Grenzkammstraße fahren.

Aber leider haben wir nicht rechtzeitig beim Rifugio Meira Garneri angerufen, um uns dort Betten zu reservieren und so schon am Vortag die ersten 800 Hm der Teer-Auffahrt zum Colle di Sampeyre zu erledigen. Folge war, daß wir sie am vierten Tag morgens fahren mußten und so erst kurz vor Mittag oben am Paß angekommen sind - und ab Mittag hat's zu regnen angefangen. Nach einigem Hin- und Herüberlegen haben wir uns dann dazu entschlossen, einfach nur durch Elva-Schlucht ins Tal zu rollen... und haben ab diesem Tag immer gleich in der Früh das nächste Quartier reserviert und nicht erst am Nachmittag.

Die zweite Routenabweichung hatten wir dann am sechsten Tag auf dem Stück zwischen Isola 2000 und Trinità: Noch planmäßig mittags in Isola 2000 angekommen, wollten wir eigentlich weiter über den Colle du Mercier bis zur Terme di Valdieri. Reserviert hatten wir dort bereits.

Aber das gesamte Skigebiet Isola 2000 ist derzeit eine einzige große Baustelle. Scheint fast so, als hätten sie endlich erkannt, daß es durchaus Sinn machen würde, den Lagevorteil von über 2000 müNN und die damit verbundene Schneesicherheit auch zu nutzen. Jedenfalls werkeln sie wie blöd und graben alles um - mit der Folge, daß weder die Routenbeschreibung von Achim Zahn noch die Karten, die wir hatten, auch nur irgendwie gepaßt haben. Und selbst das GPS hat nicht verhindern können, daß wir schließlich statt auf dem Colle du Mercier auf der Tete du Mercier gelandet sind - ein ganzes Stück zu weit rechts und ohne Möglichkeit, am steilen Hang zu queren. Wieder komplett ins Tal und ein neuer Versuch, dafür war's zu spät. Also sind wir zurück ins häßliche Isola 2000 gefahren und haben schweren Herzens dort übernachtet.

Und weil wir so doch recht früh am Hotel waren, wollte Sandra die Zeit nutzen und die Bremsbeläge bei Peggys Rad wechseln. Nur waren das Formula-Bremsen mit bekanntermaßen extrem weichen Titanbolzen - und einer davon ist leider beim Herausdrehen abgebrochen. Und als ob das alleine noch nicht schlimm genug gewesen wäre, ist dann auch noch Luft in die Bremse gekommen...

In Isola 2000 gab es natürlich keinen Bike-Laden, schon klar. Also haben wir am siebten Tag nicht, wie geplant, den zweiten Versuch gestartet, den Colle du Mercier zu finden, sondern sind mit dem provisorisch verarzteten Bike vorsichtig über den Colle Lombarda zurückgerollt, um in Cuneo die nötigen Zutaten für eine Bremsen-Neubefüllung zu kaufen, was dann am Abend des siebten Tages Gott sei Dank auch geklappt hat.

Von Cuneo aus sind wir dann nicht nochmals komplett zurückgefahren, sondern gleich ins Nachbartal und haben dadurch sogar etwas Zeit gutgemacht.



Trotz allem waren wir noch einen Tag "hinter dem Plan". Also kam Stefan beim allabendlichen ausgiebigen Kartenstudium auf die schlaue Idee, warum am achten Tag nicht zwei Achim-Zahn-Etappen auf einmal fahren?

Ergebnis war eine Monsteretappe von exakt zwölf Stunden (neun bis neun) mit vollen elf Stunden reiner Fahrzeit... und das gute Gefühl, richtig was getan zu haben :-)

Aber davon mal abgesehen, war schon alles ziemlich perfekt: keinerlei Verletzungen, keine Unfälle, kein größerer Materialschaden...



Kurz: Es war ein superschöne und (fast) absolut perfekte Tour !!